Edistant - Muse EP (Sustain)

Eine neue EP auf Sustain Recordings, dem Label von Himan aus Lissabon, der ja auch bereits mit guten Produktionen für Furore gesorgt hat. Edistant ist dagegen Neuling und musikalisch entspannt, als gehörte er bereits zu den alten Herren. “Atypical Affair” passt perfekt in die Zeit, in die After Works der großen Stadt und zur Vorfreude auf dunkle Clubs. Nicht aufgeregt, dafür aber schwebend säuselnd mit etwas behutsamen Druck. Der Remix wirbelt dagegen auf und wirbelt die Vocals durch die Gegend. Empfinde ich persönlich eher als anstrengend. Der zweite Originaltrack “My Destination” hat dagegen wieder dieses Gefühl des angekommen sein. Man hat sein zweites Bier in der Hand und nimmt Schritt für Schritt die Umgebung wahr, hält Smalltalk und lässt sich gedanklich bereits weiterziehen. Genau meine Musik! Der hierzu passende Remix wirkt durch seine Rauheit als perfekte Fortsetzung in die Nacht. Und der Titeltrack “Muse”, der wohl absichtlich am Ende aufbewahrt wird, bis man sich darauf konzentrieren kann, fasst noch einmal alle Erfahrungen zusammen, lässt einen schwingend in die Nacht entgleiten, offen für alles, was passieren kann und was einen vergessen lässt, was tagsüber passiert. Tolle EP!

Jeff Mills - Man from tomorrow (Axis)

Ein Albumrelease von Jeff Mills ist genau das Richtige, um dieser Seite wieder zum Leben zu verhelfen. Gerade erst war ich erschrocken, dass doch schon wieder so viel Zeit seit dem letzten Musikbericht vergangen ist. Genauso bin ich erschrocken, wenn ich darüber nachdenke, wie lang Jeff Mills bereits im Geschäft ist und das man an seine musikalische Genialität nach wie vor nicht herankommt und wohl nie herankommen wird. So klingt das neue Album dann auch einfach so aus der Hand geschüttelt, als hätte es nie eine Pause gegeben, als wären es vollkommen neue Klänge oder eben die logische Fortsetzung einer schon lange begonnenen Reise. Die Sounds klingen absolut vertraut und man fühlt sich in alte Ravezeiten zurückversetzt, wo es noch rund um X-101 oder Waveform Transmission und dergleichen wesentlich härter zur Sache gingen und die Platten zwischen schnellen Übergängen flogen. Da gab es wenigstens noch echte Gründe, dem DJ den ganzen Abend über die Schulter zu schauen. Nun haben wir es hier mit den gleichen Tönen zu tun, die allerdings perfekt in die jetzige Zeit passen, wirken sie doch ruhiger und zarter, auch wenn die Geschwindigkeit und das Grundgerüst der Zusammenstellung nicht wirklich anders ist. Man hat noch immer den Eindruck, dass der Mann seinerzeit hunderte Musikstücke auf Lager produziert hat und diese seitdem immer wieder herausholt, um sie entweder auf Axis herauszubringen oder in neuer Form, wie z.B. mit einem Orchester neu zu entdecken. Ein wahres Faszinosum, einzigartig und doch immer wieder bannend.

Homme Studio - Marteau (Homme Studio)

Neues Label, neues Glück. Und das ist schon mal ein perfekter Start. 2 Tracks vom belgischen Künstler, der seine neue Plattform kurzerhand den gleichen Namen gibt. Warum auch nicht? Und so kann man sich an “Silicone Day” auch gleich gar nicht satthören. Die weiblichen Töne kommen mir zwar irgendwie bekannt vor, aber eigentlich geht es bei dem Stück auch eher um ausartende Kopfnickerei mit platt treibenden Beats und einem brachialem Bassfunk, der die Clubanlage ordentlich arbeiten lässt. Gefällt mir wirklich sehr. Macht ja auch Spaß. “Tapote Moi” ist dagegen ein atemloser Stomper, der nicht ganz so effektvoll daherkommt, aber dennoch zum Tanz anstiftet und die Stimmung nicht schlechter werden lässt. Ich bin gespannt, was als nächstes kommt - der Anfang ist zumindest schon einmal gelungen!

Himan - Life Appeared EP (Resolute)

Neues Material vom Himan. Schnallt euch an. Der Titeltrack fasziniert dann auch schon vom ersten Augenblick an. Der eine oder andere wird sicher fragen, ob es das schon gewesen ist. Aber hey, nochmal anhören und schon eröffnet sich euch der schleichende Funk, der an amerikanische Housegrößen erinnert. Der Tiefschwarz Remix ist in meinen Augen nur Beiwerk zum Auffallen. Ansonsten kann ich der Version, die durch das Zusetzen von neuen Bestandteilen und Signalen lebt, im Sinne eines Remixes wenig abgewinnen. So macht dann umso mehr “Gravity Waves” Spaß - was so unscheinbar beginnt, entwickelt sich zu einer Shakenummer sondersgleichen. “Rotational Period” ist dann noch einmal eine solide Nummer für zwischendurch. Und dann der Bonus “Quasi Bienall” reißt nochmal alles mit - ganz smooth, gefühlvoll und mit einer Coolness - wahre Kunst! Weiter so! Das wird was!

A Guy Called Gerald - How Long Is Now (Bosconi Extra Virgin)

Neues Material vom Altmeister. Und was für welches! Der Titeltrack zeigt schon mal alles Kiddies, das es Mist ist, was sie da treiben. Mit so wenig Mitteln so viel zu erzeugen - großartig! Bei “Groove The Ghetto” geht es eine Nummer scheppernder weiter, aber ohne an Coolness zu verlieren. Und “202″ ist für die Schraubenjünger, die gern mal an alte Hirnficks erinnert werden - aber alles in Maßen! Soll ja keiner denken, daß wir es hier mit totaler Verrücktheit zu tun haben. Nein, der absolute Groove ist das! Und der Funk! Und eben diese alte unübertroffene Klasse!